Aktuelle Werte

[Most Recent Quotes from www.kitco.com] [Most Recent Quotes from www.kitco.com]

Kündigung erhalten – was tun?

Gerade haben Sie in Ihrem Job die Kündigung erhalten und jetzt bricht erst mal eine Welt zusammen. Sofort schwirren einem tausende Fragen durch den Kopf. „Wie soll es jetzt weitergehen?“, „Wie soll ich meine Familie ernähren?“, „Habe ich noch Chancen auf einen neuen Job wenn ich gekündigt wurde?“, „Was passiert wenn ich arbeitslos bin? Was steht mir zu?“. Wenigstens bei der letzten Frage wollen wir Ihnen hier weiterhelfen. Es bringt Ihnen nichts in Panik zu verfallen. Es gibt immer eine Lösung, behalten Sie trotz schmerzhafter Kündigung einen kühlen Kopf.

Erst einmal ist es wichtig, wie Ihnen die Kündigung ausgesprochen wurde. Wurde sie mündlich ausgesprochen, ist sie unwirksam. Das bedeutet, dass sie keinerlei rechtliche Bedeutung hat, denn eine Kündigung ist nur dann wirksam, wenn sie schriftlich erteilt wurde. Und auch hier sollten Sie beachten, dass Sie erst einmal nur den Empfang der Kündigung bestätigen, sich allerdings nicht voreilig mit ihr Einverstanden erklären. Denn oft ist auch diese nicht Rechtswirksam. Und immer wichtig: Lesen Sie sich vorher genau durch was Sie unterschreiben, denn es kann Ihnen passieren, dass versucht wird Ihnen eine Ausgleichsklausel unterzujubeln und mit dieser verzichten Sie auf alle möglichen Ansprüche.

Es heißt auch nicht, dass Sie bei Erhalt der Kündigung direkt am nächsten Tag arbeitslos sind. Hat der Betrieb, in dem Sie beschäftigt sind, mehr als 10 Mitarbeiter und arbeiten Sie länger als 6 Monate dort gelten Kündigungsfristen. Hier finden Sie die Kündigungsfristen:

Kündigungsfrist je nach Beschäftstigungsdauer:

Während der Probezeit:   2 Wochen
Weniger als 2 Jahre:  4 Wochen
Mehr als 2 Jahre:    1 Monat
Mehr als 5 Jahre:    2 Monate
Mehr als 8 Jahre:    3 Monate
Mehr als 10 Jahre:  4 Monate
Mehr als 12 Jahre:  5 Monate
Mehr als 15 Jahre:  6 Monate
Mehr als 20 Jahre:  7 Monate

Diese Fristen gelten allerdings nicht für eine außerordentliche Kündigung. Die Gründe hierfür wären zum Beispiel Arbeitsverweigerung, sexuelle Belästigung, Gewalt oder die Verletzung der Verschwiegenheitspflicht. In diesem Fällen, muss 2 Wochen nach dem Auftreten eine Kündigung ausgesprochen werden und diese ist dann ohne das Einhalten der Kündigungsfristen gültig.

Ist man mit einer Kündigung nicht einverstanden, muss man innerhalb einer Frist von 3 Wochen eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Es empfiehlt sich, eine Kündigung immer seinem Anwalt vorzulegen und diese auf Gültigkeit prüfen zu lassen. Preise für eine Erstberatung beim Anwalt sind seit Juli 2006 frei verhandelbar und dürfen maximal 190,- € (zzgl. USt.) kosten. Selbst die 190,- € haben Sie schnell wieder heraus, wenn Sie z. B. eine Abfindung aushandeln oder “erstreiten”, die in etwa bei 0,5 Monatsgehältern pro Jahr Betriebszugehörigkeit liegt.

Doch gehen wir jetzt einmal vom schlimmsten Fall aus und Ihre Kündigung ist wirksam. Was haben Sie nun zu erledigen?

Erst einmal ist es wichtig, dass Sie sofort wenn Sie von Ihrer Kündigung erfahren, das Arbeitsamt aufsuchen und sich arbeitssuchend melden. Haben Sie in den letzten 3 Jahren mehr als 360 Tage gearbeitet, steht Ihnen Arbeitslosengeld zu. In der Regel entspricht das Arbeitslosengeld 60 % Ihres letzten Nettoeinkommens. Sie müssen einen Antrag stellen. Hierfür müssen Sie zum Arbeitsamt mitbringen:

- Personalausweis
- Lohnsteuerkarte
- Sozialversicherungsausweis
- evtl. Nachweise über früher gezahltes Geld durch das Arbeitsamt
- Arbeitsnachweis über die letzten 12 Monate

Auch wenn Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben sollten Sie sich arbeitssuchend melden, denn diese Zeit wird Ihnen auf die Rente angerechnet. In jedem Fall sollten Sie sich einen Termin bei Ihrem zuständigen Arbeitsberater geben lassen. Dieser kann Sie über eventuelle Weiterbildungsmöglichkeiten und neue Perspektiven informieren. Haben Sie lange in einem Arbeitsverhältnis gestanden, sollten Sie den kostenlosen Service des Bewerbungstrainings in Anspruch nehmen. Denn die Ansprüche der potenziellen Arbeitgeber ändern sich ständig. Hier werden Sie dann über die aktuellste Form der nun geforderten Bewerbungen informiert und man hilft Ihnen die perfekte Bewerbung zu schreiben. Sie erhalten weitere Information zum Arbeitslosengeld hier direkt bei der Arbeitsagentur.

Von amtlicher Seite ist nun alles getan, jetzt sind Sie gefragt.

Jeder der arbeitslos wird fällt erst einmal in ein tiefes Loch. Das ist auch okay, nehmen Sie sich eine kurze Zeit um traurig zu sein. Aber lassen Sie sich nicht komplett fallen. Arbeitslos zu sein ist nicht das Ende der Welt. Es ist oftmals auch eine Chance für einen kompletten Neuanfang.

Lassen Sie die letzten Jahre einmal Revue passieren. Mochten Sie ihren Beruf? Hat er Sie erfüllt, oder war es eher so, dass Sie jeden Morgen mit dem Gedanken aufgestanden sind und sich wünschten der Tag wäre schon wieder vorbei? Was für Aufstiegschancen hatten Sie in ihrem letzten Beruf? Wären Sie glücklich darüber genau das Gleiche noch die nächsten 20 Jahre auszuüben? Wie lange waren Ihre Fahrtwege und wann haben Sie das letzte Mal eigentlich richtig ausgeschlafen und etwas für sich gemacht?

Wenn Sie alle diese Fragen beantwortet haben können Sie sich weiter orientieren. Wer arbeitslos wird ist oft geneigt depressiv zu werden, sich wertlos zu fühlen. Versuchen Sie das zu vermeiden. Starten Sie einen Neuanfang. Erkundigen Sie sich, bei der ortsansässigen Volkshochschule, welche Kurse angeboten werden. Sie können hier Ihre Fähigkeiten verbessern und für Arbeitslose gibt es meistens Ermäßigungen. Holen Sie sich Informationen welche Weiterbildungsmöglichkeiten es in Ihrem Beruf gibt. Vielleicht wollen Sie ja auch etwas ganz anderes machen und versuchen sich in einem Praktikum.

Fangen Sie an gesünder zu leben. Machen Sie Sport, das powert Sie aus, Sie haben Ihre Zeit genutzt und erhalten mehr Selbstbewusstsein. Ist es Ihnen zu langweilig, dann erkundigen Sie sich beim Arbeitsamt. Es gibt viele Angebote für Menschen die arbeitslos sind. Und vor allen Dingen: Es kostet kein Geld, denn das wird in dieser Zeit knapp sein. Sie könnten sich auch einfach als ehrenamtlicher Helfer zur Verfügung stellen. Soziales Engagement wird von jedem gern gesehen. Und Sie würden Ihre Zeit sehr sinnvoll nutzen, auch wenn Sie arbeitslos sind. Weiterhin baut man durch diese Engagement neue Kontakte auf und kann seine Qualitäten demonstrieren: Es wäre nicht das erste Mal, dass man so wieder an einen neuen Job kommt, der einem sogar besser gefällt als der letzte.

Vermeiden Sie auf jeden Fall sich zu isolieren. Wenn man arbeitslos ist zieht man sich gerne zurück. Doch genau das sollten Sie nicht tun. Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand. Bringen Sie sich lieber ins Gespräch. Viele Jobs werden heutzutage durch das bekannte Vitamin B vergeben.

Vielleicht möchten Sie in Zukunft lieber Ihr eigener Chef sein und sich selbständig machen. Vielleicht keine schlechte Idee, aber haben Sie auch eine brauchbare Geschäftsidee? Sorry … aber die 30. Dönerbude oder den 10. Call-Shop (mit Zigaretten, Bier und Cola-Verkauf) im Viertel braucht kein Mensch. Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus wird vom Staat (bzw. der Arbeitsagentur) mit dem Gründungszuschuß unterstützt. Viele Tipps zur Existenzgründung finden Sie auch bei http://www.akademie.de/existenzgruendung/index.html

Natürlich sollten Sie die freie Zeit auch ein wenig genießen. Nur sollten Sie sich nicht an das Arbeitslos sein gewöhnen. Setzten Sie sich weiter mit ihrem Beruf auseinander. Sie lesen diesen Beitrag hier: Also nutzen Sie auch das Internet und die Suchmaschinen, um sich weiterzubilden oder um neuen Bereiche kennenzuleren! Das hält Sie fit für den erneuten Einstieg. Und verlieren Sie niemals den Mut. Es ist nicht einfach einen Job zu finden. Es gibt nicht genug Stellen auf dem Arbeitsmarkt, also werden Sie Wohl oder Übel auch ein paar Absagen  auf Ihre Bewerbungen erhalten. Aber denken Sie daran, dass da jeder durch muss der sich bewirbt und dass das noch gar nichts zu bedeuten hat.

Tags: , , , ,

3 Reaktionen zu “Kündigung erhalten – was tun?”

  1. Heinz Schärf

    Mir wurde während der Probezeit gekündigt, ohne Begründung.
    Vieleicht ist das in der Vertriebsbranche so üblich.
    Keine Zeit für eine vernünftige Einarbeitung. Hauptsache schnelle Kohle.
    Solchen Firmen müßte das Handwerk gelegt werden.
    Mit einem Alter von 57 Jahren und immer im Arbeitsleben ist man gewohnt anständig und seriös zu beraten und zu arbeiten.
    Das ist aber nicht mehr gefragt. Wie kann man Arbeitssuchende, die sich für
    Jobs, die meinerseits nicht seriös arbeiten, aber mit einer sozialversicherten Arbeitsstätte locken das Handwerk legen?

  2. Rechtsanwalt Stephan Becker

    In jedem Fall sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken.

    Das Wichtigste ist die Einhaltung der 3-Wochen-Frist (Kündigungsschutzfrist). Man kann in arbeitsgerichtlichen Verfahren auch zunächst fristwahrend die Klage einreichen, um den Arbeitgeber unter Druck zu setzen. Dieser muss dann die Wirksamkeit der Kündigung darlegen und ggf. auch beweisen.

    Bei einer Probezeitkündigung wird es erfahrungsgemäß recht schwer etwas gegen die Wirksamkeit vorzubringen, da es dabei keines Grundes bedarf. Allerdings gibt es selbst dabei noch Möglichkeiten wenigstens aufgrund guter Recherche und Argumentation einen Vergleich auszuhandeln.

    Grundsätzlich gilt daher immer: Erstmal Klage einreichen und dann weitersehen.

    Schließlich reduzieren sich die Gerichtsgebühren bei einer Klagerücknahme auf “0″ und der Kläger hat selbst bei Rücknahme oder Unterliegen nicht die Kosten des Beklagten zu tragen.

    Ist aber erst die 3-Wochen-Frist abgelaufen, gilt die Kündigung als wirksam, sodass diese in jedem Fall einzuhalten ist!

    Auch für die möglicherweise anschließende Selbständigkeit kann das Vorgehen gegen eine Kündigung notwendig werden. Wenn diese nämlich fristlos erklärt wurde, verhängt die Agentur für Arbeit regelmäßig eine Sperrfrist von 12 Wochen, die auch für Existenzgründungszuschuss o.Ä. gilt.

    Rechtsanwalt Stephan Becker
    Nach Überarbeitung des Internetauftritts finden Sie hier: http://www.rechtsanwalt-becker.eu weitere Informationen zu diesem und anderen Themen aus dem Arbeitsrecht.

  3. isabelle

    Hallo,
    ich habe so eben meine Kündigung erhalten..
    Änderungskündigung.
    “die Ihnen mündlich ausgeführten und bekannten Gründe veranlassen uns, das mit Ihnen bestehende ARbeitsverhältnis in seinem Vertragsinhalt umzugestalten. Aus diesem Anlass sehen wir uns gezwungen, das ARbeitsverhältnis ordnunsgemäß ordentlich zum 30.11.2012 zu kündigen…

    Irgendwie macht mir dieser Text schon sorgen. Eine Änderungskündigung??

Einen Kommentar schreiben